Jeder Handy-Besitzer, der in München oder Nürnberg telefonierend in die U-Bahn geht, kann davon ausgehen, dass auf dem Weg von der Oberfläche zum Untergrund das Gespräch nicht abreißt. Wenn aber Polizeibeamte einen Missetäter in die U-Bahn folgen, bricht der Funkkontakt ab und sie müssen im U-Bahn-Bereich zu einem anderen Funkgerät greifen. Das ist eines der vielen Ärgernisse auf dem Weg zum digitalen Behördenfunk (BOS-Digitalfunk) im Freistaat.
Der Aufbau des BOS-Digitalfunks für die sogenannten Blaulichtorganisationen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz schleppt sich dahin und die Kosten steigen. Vor vielen Jahren gab ein Bundesinnenminister einmal den Plan aus, bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 schon das angestrebte vereinheitlichte und vielseitig nutzbare Netz aufgebaut zu haben. Doch der Startschuss für das Bund-Länder-Projekt fiel erst im Juni 2007. Für den Flächenstaat Bayern wurden damals Kosten von 650 Millionen Euro veranschlagt und der finale Inbetriebnahmetermin für Ende 2012 angegeben. Mittlerweile ist man bei 1,07 Milliarden Euro Kosten, die nun aber wirklich das Ende der Fahnenstange markieren sollen.
„An dem Termin Ende 2015 für den flächendeckenden Betrieb halten wir weiterhin fest“, sagt Markus Dengler von der Projektgruppe DigiNet im bayerischen Innenministerium. Aber das Datum wankt schon wieder. Grund dafür ist nicht zuletzt der für Juni 2015 im oberbayerischen Elmau geplante G8-Gipfel mit einem riesigen Polizeiaufgebot. Damit in der oberbayerischen Alpenregion nahe der Grenze zu Österreich funktechnisch nichts schief geht und man sich vor den Kollegen aus anderen Bundesländern nicht blamiert, wird dort vorrangig und intensivst aufgerüstet.
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